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Darum rauchen mächtige Männer Zigarren

Wer das Wort Zigarre hört, hat meistens sofort ein Bild im Kopf. Und bei vielen ist es ein ähnliches: Ein Geschäftsmann, der extrem erfolgreich und vielleicht ein wenig zwielichtig ist, sitzt in einem Hinterzimmer, zieht genüsslich an seiner Zigarre und schließt den Deal seines Lebens ab.

Dafür hat nicht zuletzt der Film „Wall Street“ mit seiner Hauptfigur Gordon Gekko gesorgt. Doch auch schon davor war die Zigarre ein Symbol für Wohlstand und Macht. Nicht nur, weil mächtige Männer wie Winston Churchill, John F. Kennedy oder Che Guevara bekennende Zigarren-Liebhaber waren. Bereits im 19. Jahrhundert rauchte jeder Mann, der etwas auf sich hielt, nach dem Essen in guter Gesellschaft genüsslich eine Zigarre.

Und bis heute hat sie ihren Ruf als Genussmittel der Reichen und Erfolgreichen behalten. Doch wie hat es die Zigarre geschafft, jedem Gesundheitstrend und jeder Tabaksteuer zu trotzen und dieses Image aufrecht zu erhalten?Â
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1. Eine Zigarre ist ein Genussmittel

„Die Zigarre steht für einen genussorientierten, selbstbewussten Menschen, der Risiken eingeht“, sagt Zigarren-Experte Benjamin Patock, Autor des Buches „Das Zigarrenbuch für Einsteiger“ und Gründer des führenden Zigarren-Shops Noblego.

Zigarrenrauchen ist nach vorherrschender Meinung nicht gesund, deshalb ist es getreu dem Motto „Pick your Poison“ — wie auch hochwertiger Whisky oder ein teures Stück Fleisch — etwas, dem sich genussorientierte Menschen ab und zu bewusst hingeben. „Michael Jordan war einer der erfolgreichsten Leistungssportler aller Zeiten und hat trotzdem Zigarren geliebt, sogar in der Umkleidekabine vor oder nach dem Spiel hat er sich eine gegönnt – und das nicht nur nach gewonnenen Meisterschaften“, so Patock.

2. Eine gute Zigarre ist ein Luxusgut

Natürlich gibt es auch günstige Zigarren, doch eine von Hand gerollte Zigarre mit ganzen, lange gereiften Tabakblättern in einer aufwendig gestalteten Kiste hat ihren Preis. Vor allem, wenn die Zigarre von einer etablierten Marke wie Cohiba kommt, kann das Stück schon 50 bis 60 Euro kosten. „Natürlich gibt es Sorten, die kostbar sind, weil der Tabak zehn Jahre oder länger gelagert wurde und besonders selten vorkommt oder anfällig für Schädlinge ist — aber häufig ist es auch einfach eine Frage des Marketings“, sagt Zigarren-Experte Patock.

3. Eine Zigarre ist elitär

Wie auch Kaffee war Tabak ursprünglich eine Kolonialware, die sich vorerst nur der Adel und die bürgerliche Oberschicht leisten konnten. Mittlerweile gibt es industriell gefertigte Zigarren an jeder Tankstelle, wie auch (schlechten) Kaffee — doch der Mythos vom Luxusgut lebt im Falle der Zigarre weiter.

Dafür haben auch zahlreiche Hollywood-Filme gesorgt: „In Filmen sind es meistens mächtige Geschäftsmänner oder Gangster, die eine Zigarre rauchen“, sagt Patock, „natürlich ist das ein Klischee, aber jedes Klischee birgt auch ein bisschen Wahrheit. Und es stimmt schon, dass man über ein gewisses Selbstbewusstsein verfügen muss, um eine Zigarre zu rauchen, weil man damit immer auffällt.“

4. Eine Zigarre ist ein Symbol für Männlichkeit

Jeder, der schon einmal ein britisches Historiendrama gesehen hat, kennt den Ablauf: Nach dem Abendessen verziehen sich die Herren der Gesellschaft in den Salon, rauchen eine Zigarre, trinken Scotch, spielen Karten und reden übers Geschäft. Die Damen müssen draußen bleiben.

Patock hat mehrere Erklärungsversuche, warum Zigarren etwas Männliches sind. „Zum einen natürlich die historischen Voraussetzungen, zum anderen das Bild, das von Hollywood-Filmen übermittelt wird.“ Doch da sei noch etwas: „Man kann es nicht leugnen, eine Zigarre hat auch etwas phallisches.“ Er hat vor allem in den vergangenen Jahren einen Trend zu großen und dicken Zigarren mit bis zu 3 Zentimetern Durchmesser (im Zigarrensprech: bis zu einem 80er Ringmaß) bemerkt.

5. Bei einer Zigarre kann man optimal einen Deal abschließen

Wer eine Zigarre rauchen will, der braucht Zeit, sehr viel Zeit. Anders als bei einer Zigarette, die man schnell raucht, um seine Sucht zu befriedigen, kann sich der Genuss einer Zigarre schon zwei bis drei Stunden hinziehen. Kein Wunder also, dass Zigarren in der Geschäftswelt beliebt sind.

„Es ist die ideale Voraussetzung, um ein Geschäft abzuschließen. Man zeigt dem Gegenüber damit, dass er einem Zeit und Geld wert ist. Zugleich ist das Thema Zigarre ein Eisbrecher und man verbringt entspannt ein paar Stunden zusammen, wie auch beim Golfspielen“, so Patock. Auch Geschäftsleute wollen mit der Zigarre Macht demonstrieren: „Wer eine Zigarre im eigentlich hektischen Berufsalltag raucht, der zeigt auch, dass er es geschafft hat. Also, dass er so erfolgreich ist, dass er sich leisten kann, ein bis zwei Stunden Auszeit zu nehmen, um eine Zigarre zu genießen“, sagt der Experte.

6. Wer eine Zigarre raucht, steht im Mittelpunkt

Zigarren-Raucher stechen per se heraus und haben deshalb auch kein Problem damit, im Mittelpunkt zu stehen. Während in den USA bei großen Ereignissen wie Firmenfeiern oder der Geburt eines Kindes oft eine Zigarre geraucht wird, ist es in Deutschland deutlich weniger verbreitet. „Hier wird man manchmal sogar für aufgeblasen gehalten und belächelt. Deshalb braucht man eine gehörige Portion Selbstbewusstsein oder man macht sich sogar mit einer Zigarre das Image zu eigen, besonders selbstsicher zu sein“, so Patock.

7. Eine Zigarre ist etwas für Liebhaber

Wer sich in Deutschland eine richtig teure Zigarre gönnt, der muss sie auch lieben. Denn anders als in Großbritannien oder den USA eignen sich Zigarren in Deutschland durch die gesetzliche Preisbindung nicht als Wertanlage. „Natürlich lohnt es sich, eine gute Zigarre ein paar Jahre liegen zu lassen. Aber nur, weil sie dann besser schmeckt und nicht, weil man sie dann teurer verkaufen kann“, so Patock.

Seiner Meinung nach sind Zigarren deutlich komplexer als Wein oder Whisky. Deshalb sollte man sich auch intensiv damit beschäftigen. Zudem ist eine Zigarre etwas sehr Persönliches. Wer sich einmal auf einen Lieblingsgeschmack festgelegt hat, der wechselt nicht mehr so schnell.

Viele zögern, mal eine Zigarre zu versuchen. „Das liegt einerseits am Gesundheitstrend, andererseits aber auch daran, dass Zigarren-Clubs sich oftmals elitär verkaufen, und sich manche dadurch ausgegrenzt fühlen.“

Doch er ist der Meinung: Zigarren sind für alle, die sich auch einmal eine Auszeit nehmen und ein bisschen genießen wollen. Und ihr werdet sehen: Ein bisschen mächtig und verrucht fühlt ihr euch dabei automatisch.