Würselen. Sehr viele Besucher hatten sich im Alten Rathaus eingefunden, als das neue Buch von Achim Großmann im Kulturzentrum Altes Rathaus vorgestellt wurde. „Zigarren und Zigarillos aus Würselen“ erzählt die Geschichte der Würselener Zigarrenindustrie, die über 90 Jahre lang Menschen in Arbeit und Lohn brachte.

Bürgermeister Arno Nelles dankte dem Autor für die immer neuen Blicke auf die Heimatgeschichte und begrüßte mit Frank Schnorrenberg den Vertreter des Dürener Verlages Hahne und Schloemer, wo dieses schön aufgemachte Buch erschienen ist.

Heinz Josef Küppers, der Leiter des Kulturarchivs, würdigte den Autor als Motor der Kulturstiftung und Ideengeber der heimatgeschichtlichen Arbeit in der Stadt. Mit der „Schriftenreihe Kulturarchiv Würselen“, in der Großmanns Buch als Band 3 erscheint und dem Heimatmagazin Schlaglichter habe er neue Wege der Publikation umgesetzt, die große Resonanz in der Bevölkerung finden. Einige Hefte seinen bereits vergriffen. Achim Großmann recherchiere akribisch und seine Art, spannende Texte mit Bildern und Dokumenten anzureichern, ziehe die Leser in das Buch geradezu hinein. Küppers: „Man nimmt das Buch, fängt an zu lesen und liest und liest und liest.“

Wie spannend diese Zigarrengeschichte Würselens ist, zeigte sich bei den präsentierten Texten, die Großmann jeweils erläuterte und die von Jochen Deuticke, einem Schauspieler des Aachener „Theater K“ hervorragend gelesen wurden. So konnten die gespannt lauschenden Zuhörer erfahren, dass nach der Gründung der ersten Zigarrenfabrik 1861 in Haal weitere folgten und um 1900 bereits sechs Betriebe Zigarren produzierten.

Die florierende Zigarrenindustrie, die beginnende Soda- und Nadelindustrie und der Bergbau habe zu einer Verdoppelung der Einwohnerzahlen Würselens in der Zeit vor 1900 beigetragen. Geschildert wurden die Arbeitsbedingungen der Zigarrenarbeiterinnen. Es waren fast ausschließlich Frauen, die bis zu zehn Millionen Zigarren pro Jahr fertigten.

Besonders interessant sind Berichte über die Zigarrenschwemme nach dem 1. Weltkrieg, als Kleinstbetriebe wie Pilze aus dem Boden schossen und in über 300 Häusern Zigarren gefertigt wurden, deren Qualität allerdings zu wünschen übrig ließ. Das normalisierte sich schnell wieder, 1927 arbeiteten in Würselens etablierten Zigarrenfabriken 220 Beschäftigte. Die kleinen Betriebe waren bis auf wenige verschwunden.

Nach dem 2. Weltkrieg kam dann das Aus. Die Zigarettenproduktion wurde zum Massengeschäft und verdrängte die Zigarre weitgehend.

Das reich bebilderte Buch fand bereits nach der beeindruckenden Lesung reißenden Absatz. Es ist jetzt im Buchhandel zu erwerben. Die Geschichte der Würselener Zigarrenindustrie, die in der Stadt kaum noch in Erinnerung war, ist jetzt wieder präsent. Über 30 ehemalige Zigarrenfabriken sind aufgelistet, im umfangreichen Personenverzeichnis stößt man auf zahlreiche Würselener Namen.