Kommentar: Fast unschuldige Opfer der Anti-Tabak-Lobby

Noch immer werfen Politiker Zigarren und Zigaretten regulatorisch in den gleichen Topf. Der Zigarrengenuss wird dadurch aber teilweise unnötig eingeschränkt.

Eine Firma wie Oettinger Davidoff zu führen, könnte ja so angenehm sein. Die handgerollten Zigarren sind weltweit gefragt, wie das zweistellige Umsatzwachstum der letzten Jahre zeigt. Ernstzunehmende Konkurrenz gibt es kaum, denn richtig gross ist neben Davidoff nur Cohiba, das als kubanisches Staatsunternehmen mit eigenen Problemen kämpft. Nicht einmal ein schlechtes Gewissen muss man als Tabakverkäufer haben, denn weder bringen Zigarren Kettenraucher hervor, noch ziehen sie Jugendliche an. Davidoff ist schon froh, das Durchschnittsalter seiner Kundschaft von über 50 Jahren auf knapp unter 40 gedrückt zu haben.

Genau da liegt jedoch das Problem: Die Politik hat nämlich noch nicht realisiert, dass zwischen Zigaretten und Zigarren ein grosser Unterschied besteht, und wirft die beiden Produkte regulatorisch meist in den gleichen Topf. 2016 war deshalb für Davidoff trotz guten Zahlen alles andere als ein Spaziergang. Schon die Verpackungsvorschriften der neuen EU-Tabakrichtlinie brachten beträchtliche Zusatzkosten. Absolut einschneidend ist jedoch laut Davidoff-CEO Hans-Kristian Hoejsgaard die neue Verordnung der US-Bundesbehörde für Lebens- und Arzneimittelsicherheit (FDA), die im August in Kraft trat. Sie verlangt eine Zulassung für alle Produkte, die seit 2007 auf den Markt gebracht wurden, und eine Vorabzulassung für neue Produkte, die ab dem 8. August 2016 eingeführt werden. Für Davidoff heisst das, dass vorläufig überhaupt keine neuen Produkte mehr lanciert werden, zumal noch völlig unklar ist, was die FDA überhaupt verlangt. Obergrenzen beim Nikotingehalt, wie sie bei Zigaretten vorstellbar wären, sind laut Hoejsgaard bei handgerollten Zigarren jedenfalls schlicht nicht möglich, da jede Zigarre aus nur wenigen Blättern besteht und deren Nikotingehalt stark schwankt. Bis das der Regulator jedoch begreift, werden viele kleine Anbieter eingegangen sein. Und die Grossen vergeuden ihr Geld mit Bürokratie.