Der zweitgrößte Tabakkonzern der Welt hat sich offenbar gute Vorsätze für das neue Jahr vorgenommen: In Werbeanzeigen zum neuen Jahr kündigte der Multi in Großbritannien an, dass „er versuche, die Zigaretten aufzugeben“. Doch die Sache hat einen Haken.

Das nach dem chinesischen China National Tobacco (CNTC) zweitgrößte Tabakunternehmen der Welt macht offenbar Ernst mit einem Strategiewechsel. Der Konzern, der unter anderem für Marken wie Marlboro, L&M und Chesterfield steht, schaltete zum neuen Jahr Werbeanzeigen in Großbritannien, wo es, fast schon menschlich, ankündigt, dass man „versuchen wolle, mit den Zigaretten aufzuhören“.

Doch so ganz ohne Qualm soll die Zukunft auch wieder nicht sein. Das Unternehmen möchte zwar weg von der klassischen Tabakzigarette – doch gleichzeitig dienen die Werbeanzeigen auch dazu, das neue Geschäftsfeld der E-Zigaretten und vor allem das relativ neue Produkt von Philip Morris, iQOS, zu bewerben.

Während der Tabak bei herkömmlichen Zigaretten bei Temperaturen von etwa 800 Grad Celsius verglüht, erhitzt ihn das iQOS-Gerät nur auf etwa 350 Grad Celsius. Der Unterschied: Die Zigarette verbrennt nicht, und „es entsteht Dampf, der nach Tabak schmeckt“, wie es bei Philip Morris heißt. Gesundheitsbehörden zeigen sich deswegen auch skeptisch zu den Ankündigungen von Philip Morris.

Die Weltgesundheitsorganisation hatte sich geweigert, eine Partnerschaft mit der „Foundation for a Smoke-Free World“ einzugehen, die von Philip Morris International finanziert wird. „Die Tabakindustrie und ihre Lobbygruppen haben die Öffentlichkeit über die mit anderen Tabakerzeugnissen verbundenen Risiken irregeführt“, so die Weltgesundheitsorganisationen in einer Erklärung vom September 2017.

Die Suche nach neuen Umsatzquellen hat für die Tabakkonzerne mittlerweile höchste Priorität. Das betrifft vor allem die westliche Welt. Denn dort geht der Zigarettenkonsum immer weiter zurück: Wurden 2002 noch etwa 145 Milliarden Zigaretten in Deutschland verkauft, waren es laut Angaben des Statistischen Bundesamtes 2015 nur noch rund 81 Milliarden.

Große Probleme bereitet den Tabakkonzernen vor allem die neue Generation. Dem blauen Dunst geht der Nachwuchs aus. Die Zahl der Jugendlichen, die spätestens bis zum 18. Lebensjahr zu Rauchern werden, geht massiv zurück. Nicht einmal jeder Zehnte in dieser Altersgruppe greift heutzutage noch regelmäßig zur Zigarette – 2001 war es noch fast jeder Dritte (28 Prozent).

Auch weltweit geht der Anteil der Raucher stark zurück. Er ist zwischen 1990 und 2015 um fast ein Drittel auf 15,3 Prozent zurückgegangen, wie eine internationale Expertengruppe im Fachblatt The Lancet in 2017 schrieb. Die Experten hatten mehrere große Datenbanken dazu ausgewertet. Den Rückgang begründen die Forscher damit, dass mittlerweile viele Länder den Kampf gegen das Rauchen aufgenommen haben.

Demnach gibt es aber auch Staaten ohne deutlichen Rückgang, so etwa Indonesien, Bangladesch und die Philippinen. In Russland nahm der Anteil der rauchenden Frauen sogar stark zu. Gleichzeitig gibt es – bedingt durch das stetige Bevölkerungswachstum – mehr Raucher auf der Welt.

Griffen im Jahr 1990 noch 870 Millionen Menschen täglich zur Zigarette, waren es im Jahr 2015 schon 933 Millionen. Das ist ein Plus von etwa sieben Prozent. Dabei sind global gesehen die deutliche Mehrheit der Raucher Männer. Jeder vierte Mann raucht regelmäßig, aber nur 5,4 Prozent der Frauen.