Die Kunst des Zigarrenrauchens – In Mondorf steht die kleinste „Casa del Habano“ der Welt


 
 
 

Seit fünf Monaten trägt die Zigarren-Boutique “Jeff & Co” in der Frantz-Clément-Straße stolz den Titel “Casa del Habano” – ein Qualitätsmerkmal, für dessen Erhalt Geschäftsführer Michaël Karmann nicht unverantwortlich ist.

Gibt es viele Zigarren-Läden in Luxemburg und der Großregion?

Michaël Karmann: Die Boutique in Mondorf ist die zweite “Casa del Habano” in Luxemburg, eine weitere befindet sich in Luxemburg-Stadt. Insgesamt gibt es zehn im Benelux-Raum und eine im Saarland. Allerdings keine einzige in Frankreich.

Wieso gerade in Mondorf?

Da es keine Franchise in Frankreich gibt, empfangen wir sehr viele Kunden aus der Umgebung Thionville, Metz und Nanzig. Eigentlich gibt es die Franchise nur in Hauptstädten. Mondorf muss wohl der weltweit kleinste Standort einer “Casa del Habano” sein.

Was wir anbieten, lockt nicht nur Grenzgänger, sondern echte Liebhaber an. Sie reisen teilweise sogar aus Paris an. Dabei ist es vor allem die Auswahl und die Beratung, die sie nach Mondorf zieht. Dazu kommt auch noch die gute Erreichbarkeit.

Wer kauft eigentlich Zigarren?

Vor zehn bis 15 Jahren war das hauptsächlich der gut verdienende Mann zwischen 45 und 70. Das hat sich inzwischen geändert. Die verschiedensten Kunden kommen zu uns – darunter auch Frauen, junge Menschen und diejenigen, die nicht so viel verdienen. Sie alle verbindet die Liebe zum Genuss. Viele junge Menschen tauschen die alltägliche Zigarette gegen die gelegentliche Zigarre. Auch die Idee, eine Zigarre zusammen mit dem Digestif zu genießen, kommt zurück.

Was macht das Rauchen einer Zigarre aus?

Die Menschen suchen die soziale Seite der Zigarre und wollen einen schönen Moment teilen. Die sozialen Netzwerke rund um die Zigarre wachsen extrem. Auf Facebook gibt es etwa 50 luxemburgische Gruppen, deren Mitglieder sich nur über Zigarren austauschen. Es gibt auch sehr viele Zigarren-Klubs im Land. Ich finde, dass die Zigarre Menschen extrem verbindet.

Verdrängt das Rauchverbot die Kultur, nach dem Essen eine Zigarre zu rauchen?

Nein, das wird immer noch gemacht. Große Hotels richten immer häufiger wieder einen “Fumoir” ein. Das muss als Service angeboten werden, denn jemand, der eine Zigarre raucht, braucht schon anderthalb bis zwei Stunden.

Es reicht auch schon aus, auf einer Terrasse einen Aschenbecher stehen zu haben. So fühlt sich der Raucher, der heutzutage oft verjagt wird, willkommen.

Woran erkennt man eine hochwertige Zigarre?

Unabhängig von der Marke muss die Zigarre immer richtig befeuchtet sein. Die beste Zigarre der Welt taugt nichts, wenn sie trocken ist. Ob eine Zigarre die richtige Feuchtigkeit hat, ist daran zu erkennen, dass sich die Hülle ein wenig fettig anfühlt. Sie muss leicht biegsam sein, aber auch nicht zu sehr und darf auf keinen Fall brechen. Im Inneren dürfen keine Luftlöcher zu spüren sein.

Worin unterscheiden sich die verschiedenen Marken?

Je nach Marke hat die Zigarre einen anderen Geschmack – das reicht von Kaffee und Schokolade bis hin zu Leder und Holz. Anfänger sollten eher lange, dünnere Zigarren rauchen, die nicht so stark sind. Hierfür gibt es auch eine Markenpyramide, welche die Zigarren von der schwächsten bis zur stärksten auflistet.

Wie wird eine Zigarre richtig angezündet?

Das passende Werkzeug ist wichtig, denn die Zigarre muss geschnitten werden. Der Zigarrenschneider ist die traditionelle Methode dafür. Die Zigarre kann aber auch angebohrt oder mit den Zähnen abgebissen werden – dazu braucht es eine besondere Technik. Um die Zigarre dann anzuzünden, wird im Idealfall ein Streichholz benutzt.

Wie wird sie geraucht?

In Liebhaberkreisen sagt man, die Zigarre dürfe nie ausgedrückt werden, weil sie würdig sterben muss. Genauso darf die Asche nicht, wie bei der Zigarette, abgeklopft werden, sondern wird vorsichtig abgerollt. Zigarrenraucher versuchen, die Asche so lange wie möglich an der Zigarre zu lassen. Es gibt sogar weltweite Wettbewerbe, in denen es darum geht, wer die Asche am längsten halten kann.

Stimmt es, dass kubanische Zigarren die besten sind?

Ja, der beste Tabak der Welt kommt immer noch aus Kuba. Die beste Anbauregion für Tabak ist die “Vuelta Abajo”, hier herrscht ein Mikroklima, in dem die Pflanze besonders gut gedeihen kann. Um guten Tabak anzubauen, spielen sowohl das Klima als auch der Mensch und der Boden eine Rolle. Der Vorteil an Kuba ist auch, dass wir mit nur einem Ansprechpartner arbeiten. Dort gibt es nur eine Firma, die dem Staat gehört. Das ist der einzige Ort, an dem man sicher sein kann, dass 100 Prozent der Produktion von dort kommt. Eine gute kubanische Zigarre kostet zwischen 10 und 13 Euro. Nach oben gibt es, wie beim Wein, keine Grenze.

Casa del Habano

“Alle Habanos kommen aus Kuba, aber lange nicht alle kubanische Zigarren sind Habanos” – so steht es auf der Internetseite der weltweiten Franchise “Casa del Habano”.
Eine echte Habano benötigt 500 Handgriffe vom Pflanzen der Saat bis hin zur finalen Verpackung in einer Holzkiste.

Eine benötigte Voraussetzung, um zu einer “Casa del Habano” zu werden, ist ein Walk-In-Humidor, also ein befeuchteter Raum zur richtigen Lagerung der Zigarren, in dem die Kunden sich umsehen können. Weitere sind ein Rauchersalon sowie einzelne Humidor-Kästen, in denen die Kunden ihre Zigarren lagern können, damit sie, wie ein guter Wein, älter und damit exklusiver werden.
Trotz der Franchise behält die Boutique “Jeff & Co” ihre Unabhängigkeit. Durch das Label können hier aber exklusivere Zigarren verkauft werden.