Echte Königsberger Zigarren

Beim 4. Biebertaler Museumstag sind auch einige Tabakschneidemaschinen von Gerhard Peppler zu bewundern.

 
 
 

Biebertal. Was haben Kuba und Königsberg gemeinsam? Man kann dort Tabak anbauen. Petra und Peter Mayser haben Rauchtabakpflänzchen gezüchtet und sie im eigenen Garten angebaut und geerntet. Beide sind übrigens Nichtraucher.

Das Paar wollte jedoch herausfinden, ob die Bienen die Tabakblüten als Nahrungsquelle annehmen und wie man Tabak zieht. Zudem brauchten sie Material für die Demonstrationen am Biebertaler Museumstag. Dort wurden vor den Augen der Schaulustigen Zigarren gedreht. Einst war diese Arbeit in der Region weit verbreitet. „Keinesfalls ist und war es Ziel, den Tabakkonsum zu verharmlosen oder zu fördern“, sagte Peter Mayser. Jedoch gehöre die Tabakindustrie auch zur mittelhessischen Geschichte.

Zunächst wurde Tabaksamen gekauft. Maysers entschieden sich für „Nicotina tabacum – Rauchtabak Burley“, dessen Blätter bis zu einem halben Meter lang werden. Er blüht rosa. Im März 2018 wurde der Samen in Schalen vorgezogen. Im Königsberger Garten wurden die Pflanzen Mitte Mai in gute Komposterde gesetzt. Dank des warmen Sommers wurden sie nun bis zu 1,80 Meter hoch.

Blätter wurden fermentiert

Die Tabakernte erfolgte Anfang Oktober. „Das hätte im Nachhinein optimiert werden können, da es sinnvoll ist, die Blätter nach und nach von unten mit beginnender spontaner Welke abzuernten“, erläutert Peter Mayser. Die Blätter wurden der Größe nach sortiert, auf Kordel und zum Trocknen aufgehangen.

Der Tabak musste nun reifen, damit er Geschmack entwickelt, sonst schmeckt er wie Gras. „Wir haben nach einem alten Rezept aus der Nachkriegszeit eine Fermentationslösung hergestellt, den Tabak in eine dichte, mit Seidenpapier ausgelegte Plastikwanne schichtweise über Kreuz eingelegt und jede Schicht mit der Lösung besprüht“, erklären die Tabakzüchter. Anschließend wurden die Tabakblätter mit Steinen beschwert und die Kiste dicht verschlossen, damit durch Druck genügend Wärme für die Fermentation entsteht. Zehn Wochen stand die Kiste an der Heizung. Ende Februar 2019 konnte eine fest gepresste Platte entnommen werden. Der Tabak hatte gut fermentiert.

Unter Anleitung von Hans Rost, dem ehemaligen Leiter der R&C Zigarrenfabrik in Königsberg, wurden die Blätter aus der Platte vorsichtig herausgelöst. Da sie noch sehr feucht waren, wurden sie zwischen Zeitungspapier getrocknet. Bis zum Biebertaler Museumstag wurden sie kühl gelagert.

Hier demonstrierte Rost dann die Herstellung von Zigarrenwickeln mit echtem „Biebertaler Tabak“ für die Besucher des Museums und zündete sich auch mal eine Zigarre an und genoss sie mit tiefen Zügen. Das Fazit von Petra und Peter Mayser: „Rauchtabak ist eine schöne und imposante Gartenpflanze und wird von den Bienen gut angenommen.“ Die eigentliche Tabakherstellung ist jedoch sehr aufwändig, von Unwägbarkeiten begleitet und ohne einen erfahrenen Experten wie Rost schwierig. Dennoch war das Geschichtsexperiment gelungen.