Basel: Zigarrengenuss in Zeiten des Rauchverbots

Der „Salon du Cigare“ gleicht einer edlen Bibliothek.

 
 
 

Basel – Fachkundig und mit ruhiger Hand wird mit dem „Coppa“-Werkzeug das versiegelte Ende der Robusto angeschnitten und ein kleines Zugloch hineingebohrt. Tobias Trefzer, Demi-Chef de Bar, vollführt diesen „Cut“ jeden Abend für die zigarrenliebende Kundschaft des edlen eingerichteten „Salon du Cigare“ im Grand Hotel „Les Trois Rois“ in Basel.

„Die Robusto-Zigarre ist ein sehr beliebtes Format mit einer Rauchdauer von etwa 35 Minuten“, erklärt der gelernte Restaurantfachmann aus Lörrach im Gespräch mit unserer Zeitung. Mit gerade einmal 23 Jahren sei er der jüngste Spirituosen-Sommelier in Deutschland, Schweiz und Österreich. Diese Zusatzqualifikation hatte sich Trefzer in einer sechswöchigen Weiterbildung in Zürich erworben. „Ich wollte nach der Ausbildung gleich an der Bar arbeiten, weil ich den direkten Menschenkontakt liebe und die Unterhaltungen mit den Gästen sehr schätze.“ Dabei nehme der junge Restaurantfachmann im „Salon du Cigare“ auch eine beratende Rolle ein, denn die Auswahl von 165 Zigarren-Sorten sei die größte in den Basler Fumoirs, den erlaubten Raucherbereichen in der Gastronomie der Stadt.

Feuchter Lagerraum

„Zuerst gehe ich mit dem Gast in den Lagerraum der Zigarren, den sogenannten Humidor. Dort herrscht eine Temperatur von 26 bis 28 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 75 Prozent“, erläutert Trefzer. „Unter diesen optimalen Bedingungen lassen sich die Zigarren theoretisch ewig lagern.“

Verschiedene Noten

Der Gast wähle dann unter den verschiedenen Formaten, den Geschmacksnoten und dem Herkunftsland des Tabaks aus. Besonders beliebt seien cremig, süße Noten wie Schokolade und Karamell. Aber auch Kaffee und Pfeffernoten werden nachgefragt, weiß Trefzer. „Die kubanische Zigarre ist aufgrund des süßlich öligen Geschmackes bei der Kundschaft am beliebtesten. Gefolgt von der aus der Dominikanischen Republik und Nicaragua, die beide etwas grasig schmecken“, fährt Trefzer fort.

Hat man einmal die richtige Zigarre für den genussvollen Abend in der Lounge gefunden, geht es zur weiteren Spirituosen-Beratung zur Bar. Diese ist eine Nachbildung von einem Eisenbahnwagon und verfügt ein nach oben gewölbtes Dach aus Blattgold.

Hier findet das „Pairing“ statt: Zur Zigarre wird das geschmacklich passende Getränk angeboten und degustiert. „Bei den Spirituosen sind Rum und Whiskey sehr gefragt. Der Rum „Dos Maderas“ sei im Geschmack cremig und harmonisiere daher sehr gut mit den milden Zigarren. Zu Whiskey eigne sich dagegen eher würzige, stärkere Noten“, meint der 23-jährige Demi-Chef de Bar.

Kein Service im Salon

Nach der Beratung der meist älteren, männlichen Zigarrenfreunde hört der Service jedoch auf. Die Kundschaft geht dann mit dem Tablett alleine in den abgetrennten Rauchersalon, der einer Bibliothek mit Ledersesseln und Bücherregalen nachempfunden worden ist und einen direkten Blick auf den Rhein bietet. Im Kanton-Basel-Stadt gilt seit 2010 eines der schärfsten Passivraucherschutzgesetze des Landes, welches das Rauchen an öffentlichen Orten untersagt und den Nikotingenuss nur in unbedienten Räumlichkeiten mit Lüftung gestattet.

Absurde Regelung

Diese Regelung empfindet Restaurantbesitzer und Präsident des de facto aufgelösten Vereins „Fümoar“ Mario Nanni als absurd: „Hier wird vom Nichtraucherschutz gesprochen. Die Mitarbeiter dürfen laut Nanni den Gast keine Speisen und Getränke servieren, beraten oder abkassieren. Allerdings können sie nach einem Urteil des Bundesgerichts aus dem Jahr 2016 zum Reinigen und Aufräumen die Räumlichkeiten sehr wohl betreten. „Wo bleibt der Passivraucherschutz, wenn die Mitarbeiter zum Putzen in den Raum gehen“, meint Nanni. Laut dem Wirt besagt das Urteil, dass unbediente Fumoirs ebenso dem Schutze des Rauchers dienen, der ohne Bedienung weniger lang dort verweilt.

„Außerdem kann man bei Restaurants und Bars nicht von öffentlichen Orten reden, da niemand gezwungen wird, sich dem Passivrauch der Anderen auszusetzen. Zudem entscheidet der Wirt, wen er einlässt“, beschwert sich Nanni weiter über die strenge Gesetzgebung.

„Fümoar“ musste schließen

Der in 2010 gegründete Verein „Fümoar“ versuchte über den Betrieb von Raucherbeizen und zahlenden Mitgliedern das Gesetz zu umgehen. Der Verein hatte in den ersten Jahren laut Nanni 196 300 Mitglieder, mehr Einwohner als Basel. Nach einigen Initiativen, das kantonale Gesetz an die lockeren Bestimmungen des Bundes anzupassen, wurde das Schicksal des Vereins durch ein Urteil des Bundesgerichts von 2012 besiegelt. Es erklärte, das verschärfte Rauchverbot in Basel-Stadt gilt auch in Privatclubs.