Was man über die neue E-Zigarette wissen sollte

Die Tabakindustrie befindet sich im Wandel und die Hersteller müssen umdenken. In fast allen Ländern - bis auf Österreich - gibt es sinkende Verkaufszahlen von Zigaretten

 
 
 

Mit 34 Milliarden Euro ist „Juul“ eines der teuersten Start-ups der USA. Einer der größten Tabakriesen – Marlboro – ist Investor. Wie ist der Hype zu erklären?

Österreich befindet sich, was Rauchen angeht, in einer Sonderposition in Europa. Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Staaten ist hierzulande der Tabakkonsum nicht zurückgegangen. Nun kommt der umstrittene „Nikotin-iPod“ auf den heimischen Markt.

Primäre Zielgruppe sind bestehende Raucher

„Juul“ möchte laut Eigenaussage des Unternehmens eine weniger gesundheitsgefährende Alternative zum Tabakkonsum sein. 73 Prozent der erwachsenen Raucher möchten mit dem Rauchen aufhören. In den USA ist sie bereits die führende E-Zigarette. Ab Juni 2019 kommt sie in 1.000 Trafiken in ganz Österreich.

Weniger Schadstoffe, mehr Suchtpotenzial

Laut Schätzung der britischen Gesundheitsbehörde sind E-Zigaretten um mindestens 95 Prozent weniger schädlich als herkömmliche Tabakzigaretten. Die Bewertung des Deutschen Krebsforschungszentrums fällt ähnlich gewichtet aus. Dass es hier möglicherweise Aufklärungsbedarf gibt, zeigt das Ergebnis der Umfrage von marketagent mit 5.000 Teilnehmern: Ein Großteil der Österreicher hat den Eindruck, E-Zigaretten wären schädlicher als normale.

Dabei betont der Hersteller, dass viel weniger Schadstoffe als in der Tabakverbrennung entstehen. Laut Michael Siegel von der Boston University ist das Suchtpotenzial von Juul-Zigaretten jedoch größer als das der herkömmlichen E-Zigaretten, wie die «New York Times» schreibt. Zumindest wird es durch den Nikotin-Gehalt, der in der EU mit 20 mg geringer ausfällt als in den USA mit 50 mg, aufrecht erhalten.

Der Hype lässt sich dadurch erklären, dass das Produkt, wie es auch bei erfolgreichen Tech-Startups ein Prinzip darstellt, ein Gegenstand des täglichen Gebrauchs ist.

Die Tabakindustrie erkennt den Wandel

So sieht es auch die Konkurrenz, die den Wandel in der Tabakindustrie erkennt und damit reagieren muss, sich entweder mit der Alternative der E-Zigarette auseinanderzusetzen oder eine andere Alternative zu finden. Deswegen investiert z.B. Philipp Morris in Lausanne in 400 Wissenschaftler, die auf die Erforschung einer Alternative angesetzt sind.

Der Marlboro-Hersteller Altria steigt hingegen mit 12,8 Milliarden Dollar mit einer Beteiligung von 35 Prozent ein. Die Unternehmensbewertung liegt bei umgerechnet 34 Milliarden Euro. Das macht „Juul“ zu einem der teuersten Start-ups der USA. Bereits nach einem Jahr hatte es die 10-Milliarden-Dollar-Marke durchbrochen, was Facebook erst nach drei Jahren gelang.