100 Jahre Rauchclub Blaue Wolke

Der Steinacher Rauchclub feierte am Samstag, 1. Juni sein 100-jähriges Bestehen.Leonie Hauck

 
 
 

In diesem Jahr feiert der Rauchclub Blaue Wolke Steinach sein 100-jähriges Bestehen. Im Gespräch blickt die Vorsitzende Ulrike Dempsey auf die Geschichte des Vereins.

Im Rahmen eines Kommersabends am Samstag, 1. Juni feiert der Rauchclub Blaue Wolke 1919 Steinach e. V. – seit 2009 ein eingetragener Verein – sein 100-jähriges Bestehen. Eingeladen sind neben den 106 Mitgliedern unter anderem auch Bürgermeister Andreas Sandwall, Pfarrer Michael Kubatko und Norbert Metz vom Patenverein Garitz. Beginn ist um 17.30 Uhr mit einem Gottesdienst. Anschließend treffen sich alle im Gasthof Benno Schneider, wo sich der Verein einst gründete, um gemeinsam die Vereinschronik und alte Filme anzuschauen.

Denn die Geschichte des Rauchclubs reicht zurück bis ins Jahr 1919. In diesem Jahr kamen 15 Männer aus Steinach, die sich sowieso immer in der Gastwirtschaft „Stern“ – dem heutigen Gasthof Benno Schneider – trafen, auf die Idee, den Verein zu gründen. Ziel sei gewesen, das gesellschaftliche Leben im Ort zu fördern, erklärt die 1. Vorsitzende des Rauchclubs, Ulrike Dempsey.

Von 1934 bis 1963 löste sich der Verein auf. Die Gründe hierfür waren unter anderem, dass der Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg viel Zeit beanspruchte und auch viele Männer fehlten, die im Krieg gefallen waren. 1963 trafen sich ehemalige Mitglieder dann zur Wiedergründung in derselben Gastwirtschaft. Von da an wurde mindestens drei Mal im Jahr ein Preisrauchen um die Vereinsmeisterschaft abgehalten. Damals rauchten die Mitglieder noch Pfeife, heute Zigarillos der Marke Dannemann, die bei Wettbewerben vorgeschrieben ist.

Ablauf eines Wettrauchens

Bei solchen Wettbewerben gibt es zwei Rauchmeister, die die Zigarillos verkaufen, die Zeit stoppen und die Einhaltung der Regeln überwachen. „Die Teilnehmer können sich dann einen Zigarillo aussuchen“, erklärt Ulrike Dempsey. Dabei würde zum Beispiel darauf geachtet, wie fest gewickelt diese seien. Sobald die Rauchmeister mit den Worten „Feuer frei“ den Start des Wettbewerbs verkünden, haben die Teilnehmer eine Minute Zeit, ihre Zigarillos anzuzünden. Wer das in diesem Zeitraum nicht schafft, scheidet schon am Anfang aus.

Dann müssen die Teilnehmer versuchen, den Zigarillo möglichst lange brennen zu lassen. „Irgendwann tun schon die Finger weh, auch wenn man versucht, den Zigarillo nur noch mit den Fingernägeln zu halten“, erklärt die erste Vorsitzende des Rauchvereins aus Erfahrung. Teilweise könne man den letzten glimmenden Rest in den Fingern der Teilnehmer schon fast nicht mehr erkennen, weil nur noch so wenig übrig sei. „Wenn der Zigarillo ausgeht muss man sich ‚tot‘ melden“, sagt Ulrike Dempsey. Die Zeit wird dann notiert und der, der am längsten geraucht hat, gewinnt. 1987 wurde Kurt Voll, der mittlerweile seit 50 Jahren Mitglied des Rauchvereins ist, deutscher Meister mit einer Rauchzeit von 72,5 Minuten und 1996 fand die Bundesrauchmeisterschaft sogar in Steinach statt.

Frauen werden Vereinsmitglieder

Lange Zeit war „Blaue Wolke“ ein reiner Männerverein. 1972 durften erstmals 17 Frauen am Preisrauchen teilnehmen und ab 1996 schließlich auch Vereinsmitglieder werden. „Heute rauchen die Frauen in der Gesamtwertung sogar besser als die Männer“, erzählt Ulrike Dempsey.

Das Vereinszimmer des Rauchclubs befindet sich mittlerweile im Alten Rathaus im früheren Bürgermeisterzimmer.

Da sich der Verein von Anfang an vor allem dem gesellschaftlichen Leben im Ort verpflichtet sah, organisierte er zum Beispiel lange Zeit Büttenabende im Ort. Außerdem spendete er des Öfteren Geld – zum Beispiel für die Kirchenrenovierung oder die Skaterbahn – und sorgte auch für helfende Hände – zum Beispiel als vor dem Rathaus neues Pflaster verlegt wurde. Er finanziert sich zum einen über die Mitgliederbeiträge, zum anderen aber auch durch die organisierten Feste und den Verleih von Gerätschaften. Mittlerweile sind die Veranstaltungen zwar weniger geworden, aber der Rauchclub organisiert beispielsweise immer noch jedes Jahr die Kirchweih und vergibt seit 1977 Gebäck und Getränke beim Martinsumzug.