Zigarren: Rauchgenuss aus dem Humidor

Winfried Lünger von „Antik und Genuss“ auf Gut Heimendahl in Kempen: In seinem begehbaren Humidor schlägt das Genußraucherherz höher.

 
 
 

Kempen. Bei „Antik & Genuss“ auf Gut Heimendahl dreht sich alles um die Zigarren. Winfried Lünger kennt sich in der Welt der gedrehten Tabakblätter bestens aus.

Der Blick durch die gläsernen Wände fällt auf viele kleine Holzkisten. Dicht an dicht stehen sie auf den Regalböden. Sie sind allesamt mit einem Produkt gefüllt, das es allerdings in unterschiedlichen Ausführungen gibt. „Wir haben in unserem Humidor rund 2000 Zigarren, wobei es sich um 30 verschiedene Marken handelt. Wie viele Sorten es sind, habe ich allerdings noch nie gezählt“, sagt Winfried Lünger von „Antik & Genuss“ und öffnet die Türe des Raumes, in dem die Zigarren optimale Lagerbedingungen erfahren.

Eine Luftfeuchtigkeit von 68 bis 73 Prozent bekommt den gerollten Tabakblättern am besten, und dafür gibt es den begehbaren Humidor. Wobei auf den wenigen Quadratmetern Rauchwaren aus sechs Herkunftsländern zu finden sind. Sie kommen aus Kuba, Costa Rica, Nicaragua, Honduras, Ecuador und der Dominikanischen Republik. Es sind die klassischen Anbauländer, in denen nicht nur der Tabak hervorragend wachsen kann und beste Qualitäten entstehen, sondern auch die Bedingungen für die weitere Verarbeitung gut sind.

Die genaue historische Herkunft der Zigarren ist nicht bekannt. Experten gehen von Südamerika aus, wobei die Verbreitung nach Europa mit der Kolonialzeit einsetzte. Der Seefahrer Christoph Kolumbus soll der erste Europäer gewesen sein, der mit Tabak in Berührung kam und diesen mit in seine Heimat brachte.

Bei „Antik & Genuss“ auf Gut Heimendahl in Kempen finden regelmäßig Informationsveranstaltungen zu Zigarren wie auch Whisky Tastings statt. Unter www.antikundgenuss.de sind die Angebote zu finden.

Ein subtropisches Klima kommt der Trocknung der Blätter nach der per Hand erfolgten Ernte nämlich entgegen. In speziellen Lagerhäusern müssen die Tabakblätter gut gelüftet zwischen 25 und 50 Tagen lagern. Es folgt die Fermentierung. Ein Vorgang, der ständig kontrolliert werden muss, da ansonsten die Gefahr besteht, dass die Blätter verrotten, zerfallen oder sich durch die Wärmeentwicklung während der Fermentierung sogar selbst entzünden. Geduld ist gefragt. Die Fermentierungszeit beträgt zwischen vier und acht Monaten. In dieser Zeit entstehen die spezifischen Aromen des Tabaks. Es gibt sogar über Jahre gereiften Tabak, was sich im Preis niederschlägt.

Die gereiften Blätter, egal wie lange die Reifung lief, werden immer von Hand sortiert. Insbesondere das Deckblatt muss absolut makelfrei sein. „Es entscheidet aber nicht nur über die Optik, sondern ist auch zu 20 Prozent am Geschmack beteiligt“, erklärt Lünger. Hochwertige Exemplare werden per Hand gerollt. Die Rolltechnik an sich ist immer die gleiche. Ein Torcedor, wie der Zigarrenroller genannt wird, kann am Tag je nach Sorte 40 bis 180 Zigarren rollen. Wobei es sich um einen Lehrberuf handelt. Die so genannte Einlage wird so kunstvoll gefaltet, dass der Rauch später gut durch kleine Kanäle strömen kann. Es erfolgt das Einrollen in das Umblatt. Danach wird der Rohling in einer Presse in seine endgültige Form gebracht. Den Abschluss bildet das Deckblatt. Es wird mit einer Art Wiegemesser sichelförmig zurechtgeschnitten und fest um den Rohling gerollt.

Zigarren gibt es in verschiedenen Formaten. Die Torpedo-Form läuft entsprechend ihrem Namen spitz zu. Bei der Churchill handelt es sich um ein besonders großes Format. Das Robusto-Format zeichnet sich durch ein kürzeres und dickeres Ringmaß aus, während die Corona ein wenig länger und schlanker ist. „Das schwierigste Format ist das Salomon-Format. Das können nur die besten Roller. Sie fängt schlank an, wird zur Mitte dicker und endet wieder schlank. Das sorgt für eine Aromenvielfalt beim Rauchen“, sagt Lünger.

Zigarren sind immer verschlossen. Um sie rauchfertig zu machen, muss vorab der Zigarrenkopf entfernt werden. Zum Einsatz kommen spezielle Scheren oder ein Bohrer. „Je weniger man abschneidet, umso kleiner ist der Rauchkanal. Größer abgeschnitten vergrößert sich der Rauchkanal entsprechend, und es kommt mehr Sauerstoff dazu, was zu einer besseren Rauchverteilung im Mundraumbereich führt“, erklärt Lünger.

Er beschreibt Zigarrenraucher als Genussmenschen. Eine Zigarre würde immer mit Bedacht angezündet, und der Rauchvorgang laufe von einer halben Stunde bis hin zu zwei Stunden, berichtet der Fachmann. Wobei das Anzünden schon eine kleine Wissenschaft für sich ist. Benzinfeuerzeuge oder schwefelhaltige Streichhölzer sind ungeeignet. Sie könnten den Geschmack einer Zigarre unvorteilhaft beeinflussen. Zum Einsatz kommt ein Gasfeuerzeug oder ein Holzspann, bevorzugt Zedernholz. Der Zigarrenraucher hält sein Exemplar auch nicht in die Flamme, sondern dreht sie, bis sich ein kleiner Aschering gebildet hat.

Preislich starten Zigarren bei drei Euro pro Stück. Nach oben geht es, wie beim Wein, hoch hinauf. Bei „Antik & Genuss“ liegt die teuerste Zigarre bei 100 Euro.