Das passt am besten zur Zigarre – Die besten Kombinationen des Zigarren-Experten

Top-Marken aus Kuba, DomRep und Nicaragua
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Undurchdringliche Rauchschwaden, edler, öliger Whisky im Glas – alle Motoren aus. Zigarren bieten im Alltagsstress eine wohltuende Ruhepause, sie sind Entschleunigung pur – und somit der wahre Luxus eines erfolgreichen Gentleman. Doch was trinkt Mann zu einer Havanna, welches sind die besten Einsteiger-Marken und was ist generell beim Tabak-Genuss zu beachten? Wir haben den Zigarren-Sommelier Matthias Martens befragt und ihm seine Lieblingsmarken entlockt.

An die beste Zigarre seines Lebens erinnert sich der Globetrotter ganz genau, es war im Jahr 1998: „Nach meinem neunmonatigen Dienst als Steward auf der MS Deutschland bin ich in Venezuela an Land gegangen. In einer kleinen Hütte neben dem Flughafen von Caracas habe ich mir eine wunderbare geschmuggelte Havanna gegönnt – das war der gelungene Auftakt zu einer fantastischen Südamerika-Reise“.

Zigarren-Sommelier und Szene-Wirt in Berlin

Das Genießer-Leben hat es gut gemeint mit dem Connaisseur: Martens war Deutscher Habanosommelier 2002 und 2003 sowie Finalist der Weltmeisterschaften der Habanosommeliers auf Cuba 2004. „Zudem bin ich wohl der einzige Zigarren-Sommelier, der das Rauchen erfolgreich hauptberuflich betrieben hat“.

Auch der Schauspieler Ralf Möller und der Dirigent Daniel Barenboim gehörten zu seinen Kunden.
Und heute hat er eine weitere Stufe des Gourmet-Lebens erklommen, Martens leitet als Geschäftsführer die beiden Szene-Restaurants „Filetstück/ Das Urgestein“ und „Filetstück/Das Gourmetstück“ in Berlin – beide sind spezialisiert auf Dry Aged Beef. Dennoch lässt Martens es sich nicht nehmen, ab und an für Banken, Versicherer oder auch Autohäuser die hohe Kunst des Rauchens zu erläutern.

Top-Marken aus Kuba, DomRep und Nicaragua

Martens rät generell nur zu den von Hand gefertigten Longfillern und mag keine maschinell gefertigten Shortfiller. Die Spitze des Genusses sind für ihn noch immer kubanische Zigarren, die ihr ganz spezielles Aroma vom roten, lehmigen Boden der Tropen-Insel erhalten. Seine Lieblingsmarken sind Saint Luis Rey, Partagas, Montechristo und Cohiba.

Doch mittlerweile holen auch Nicaragua mit der CAO und der Cumpay auf, ebenso die Dominikanische Republik mit Davidoff und Avo sowie Honduras und beispielsweise Mexiko mit der Capa Flor. „Diese Anbieter überzeugen mich mit ihrer Verpackung, ihrer Story hinter der Marke und mit dem ganz eigenen Geschmack, die wunderbar zur regionalen Tradition passen,“ schwärmt Martens.
Einsteigern rät der Sommelier zu milden Zigarren, die den Magennerven ein wenig Schonung gewähren. „Aus Honduras bietet sich die kleine Flor de Selva an, aus der Dominikanischen Republik die schlanke Davidoff 1000. Generell sollten Sie auf die richtige Situation achten: Nehmen Sie sich Ihre Zeit, ein Junggesellen-Abschied mit viel Alkohol oder ein Bierzelt sind definitiv der falsche Ort für eine gute Zigarre.“

Das sind die Top-Genießer-Kombinationen

Und dann entlocken wir dem Zigarren-Meister aller Raucher-Klassen noch seine Lieblingskombinationen. Beginnen wir mit dem Rum: Zu einem kräftigen Zafra Master Reserve aus Panama raucht Martens am liebsten eine Partagas De Luxe aus Kuba. Wer es weniger süß mag, greift zum Whisky: „Der Laphroaig Quarter Cask ist rauchig und torfig, im Nachklang süß und passt wunderbar zu einer Cohiba Robusto.“ Auf die Frage nach der schmackhaftesten Wein-Kombination empfiehlt Martens interessanterweise einen Weißwein: „Natürlich ist der Rotwein eigentlich der Klassiker zur Zigarre. Aber schwere, ältere Weine enthalten sehr viel Tannin und Gerbstoffe, das überfordert den Gaumen vieler Genießer.“ Lieber trinkt der Gourmet eine Spätlese von der Mosel mit viel Restsüße, etwa eine Zeltinger Sonnenuhr von Markus Molitor. Und dazu zündet er sich eine Avo aus der Dominikanischen Republik an. Und wie steht es mit Schokolade? „Sehr wichtig ist die Konsistenz – bitte keine Supermarkt-Marke mit viel Zucker und Kakao, die klebt nur am Gaumen. Besser ist eine hohe Bitternote, etwa Domori. Dazu am besten ein Glas Wasser, um Zunge und Gaumen frei zu spülen. Und ein Portwein, etwa der Taylors Tawny Port 10 Years. Ganz prima schmeckt dazu eine moderne Zigarre wie die Oliva Lancero aus Nicaragua“.

Nicht jede Zigarren- Legende ist wahr

Im Gespräch mit wanted.de räumt der Connaisseur auch mit einigen Mythen rund um das Thema Zigarre auf: „Nein, Rauchen macht nicht unbedingt krank, ich bin gerade zwölf Kilometer gelaufen“, erläutert der 41jährige. „Denn normalerweise bekommen Zigarren-Fans weniger Nikotin ab als Zigaretten-Raucher, da sie nicht inhalieren und nur ab und an paffen,“ erklärt der gelernte Hotel-Fachmann. Dunkle Zigarren sind übrigens nicht immer stärker – manchmal ist nur das Deckblatt dunkel, es kommt aber auf die Einlage an. Umgekehrt täuschen helle Deckblätter eine Milde vor, die vom schweren Inhalt überdeckt wird. Und Brasil-Zigarren werden aus fast schwarzem Tabak hergestellt, sie sind aber dennoch geschmacklich aromatisch und süffig, aber nicht sehr kräftig. Eine andere Story enthält übrigens einen wahren Kern: „Hartnäckig hält sich die Legende, wonach Zigarren auf den Schenkeln von 17jährigen kubanischen Jungfrauen gerollt werden. Das stimmt natürlich nicht komplett; doch tatsächlich wird bei großen Deckblättern die Rispe auf den Schenkeln der Frauen heraus gedreht. Mehr aber nicht.“ Wobei wir zum Schluss mit einem weiteren Mythos aufräumen: Zigarren haben nicht unbedingt etwas mit Phallus-Symbolen männlicher Egomanen zu tun, wie Feministinnen gerne behaupten. „Manchmal ist eine Cigarre auch nur eine Cigarre“ zitiert Martens den Psychoanalytiker Sigmund Freud.