Reinheim: Seit 50 Jahren Chefin im Tabakgeschäft

Auch mit 85 Jahren denkt Ingeborg Mengler in ihrem Tabak-Geschäft nicht ans Aufhören.
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Ingeborg Mengler führt seit 50 Jahren ein Tabak-Geschäft in Reinheim. Nicht nur Raucher sind ihre Kunden.

REINHEIM – Als Ingeborg Mengler 1970 von ihrer Schwiegermutter das Tabak-Geschäft in Reinheim übernahm, war sie von ihrer neuen Aufgabe zunächst nicht recht überzeugt. Heute sagt die 85-Jährige: „Ich liebe die Arbeit in meinem Laden. Ich werde das Geschäft so lange betreiben, wie ich kann. An eine Schließung denke ich zurzeit nicht.“

Seit 1929 existiert das Tabak-Geschäft in der Ueberauer Straße. Auf den Tag genau am heutigen Mittwoch wird es von Ingeborg Mengler seit 50 Jahren betrieben. Zum Jubiläum gönnt sie sich ein paar Tage Urlaub. „Ich habe das Geschäft immer allein geführt und nie eine zweite Kraft eingestellt. Urlaub ist dann natürlich nur selten möglich“, erzählt Mengler. Immerhin zwei Wochen Urlaub habe sie sich mit ihrem Mann Klaus jedes Jahr erlaubt. „Das war eine Bedingung, ohne die ich den Laden nicht weitergeführt hätte.“

Die Übernahme habe ihr einige schlaflose Nächte bereitet. „Damals wohnten wir in Nürnberg und hatten drei kleine Kinder. Außerdem habe ich nie vorher hinter einer Verkaufstheke gestanden. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht.“ Doch schon bald habe sie Gefallen an ihrer neuen Aufgabe gefunden, erzählt Ingeborg Mengler. Was zunächst nur fünf Jahre dauern sollte, währt nun schon ein halbes Jahrhundert.

Anfänglich habe es viele weitere Tabak-Geschäfte in den Nachbarkommunen gegeben. Meist verbunden mit einem Zeitschriften-Angebot und einer Lotto-Annahmestelle. „Beides hatte ich nie angeboten. Zwischendurch hatte ich für ein paar Jahre Uhren und Lederwaren ins Sortiment aufgenommen.“ Mittlerweile ist Menglers Geschäft das einzige im östlichen Landkreis, das noch vom Tabakverkauf existieren kann. Andere Ladenbetreiber haben ihre Geschäfte nicht zuletzt deshalb aufgegeben, weil das Rauchen an Akzeptanz verloren hat.

Nicht nur Raucher sind Kunden

War es früher noch in jeder Gaststätte, in öffentlichen Verkehrsmitteln und sogar im Kino erlaubt, ist das Rauchen heute nur noch auf wenige Flächen im öffentlichen Raum beschränkt. Zudem warnen EU-weit abschreckende Bilder auf Zigarettenpackungen vor den gesundheitlichen Folgen. Ingeborg Menglers Geschäft läuft dennoch weiterhin gut. „Zu mir kommen eher die Genuss-Raucher. Vor allem Menschen, die gerne zu besonderen Gelegenheiten Pfeife oder Zigarre rauchen und das Zubehör dazu brauchen, finden bei mir eine große Auswahl. Nur für E-Zigaretten fehlt mir in dem kleinen Laden der Platz.“

Die meisten Kunden seien etwas älter, jüngere Leute kämen hingegen nicht mehr so häufig in ihr Tabak-Geschäft wie früher. „Ob es daran liegt, dass jüngere Menschen weniger rauchen oder ob sie ihre Zigaretten in Supermärkten oder an Tankstellen kaufen, kann ich nicht sagen. Wer zu mir kommt, sucht oft etwas Außergewöhnliches oder möchte eine Beratung zu den Produkten“, sagt Ingeborg Mengler. „Ich habe auch Kunden, die nicht zu den Rauchern gehören, sondern eher Interesse an den schönen Zigarrenkisten haben“, erzählt die Ladenbetreiberin und fügt an: „Es gibt auch eine Zigarrensorte mit dem Namen Corona.“ Als sie während der Corona-Beschränkungen ihr Geschäft schließen musste, habe sie deshalb nicht einfach ein „Geschlossen“-Schild an die Ladentür gehängt, sondern den doppeldeutigen Hinweis für ihre Kunden: „Wegen Corona zurzeit keine Coronas“.