1 Zigarre um 30 Euro: Warum Familie Rauch jetzt steirische Zigarren produziert

Dem Namen verpflichtet. Johannes Rauch ist erster und einziger Tabak- und Zigarrenproduzent Österreichs und erhielt dafür den „Vifzack“-Preis. Über Spurensuche und Wuzel-Versuche.

Entschuldigung, das drängt sich jetzt fast auf. Johannes Rauch brennt für die Rückkehr des Tabak-Anbaus, könnte man sagen, wobei seine Vision im Dschungel der Behörden fast verglüht wäre.

In sechs Jahren Tüftelei und Antrags-Stellerei ist der südoststeirische Spross des Weinhofs Rauch den Spuren seines Nachnamens und seiner Vorfahren gefolgt und ist heute der erste und einzige Betrieb in Österreich, der Tabak nicht nur anbauen, sondern auch selbst zu Zigarren und Pfeifentabak veredeln darf. Tausende User kürten ihn nun in einer Online-Abstimmung der Landwirtschaftskammer als Sieger des Innovationspreises „Vifzack“.

Lange Tabak-Tradition in der Oststeiermark

„Bis 1980 hat mein Opa Alois noch Tabak angebaut“ – wie so viele Bauern in der Region. Die holzgezimmerten, oft schon ein wenig verfallenen, Tabakhütten sind in der Oststeiermark heute noch stumme Zeugen einer längst vergangenen Blütezeit.

Noch in den 1990er Jahren wurden in der Tabakfabrik Fürstenfeld u. a. vom Tabak der Oststeirer pro Jahr 27 Millionen Zigarren (bekannteste Marke: Großglockner) hergestellt. Damals aber mussten die Bauern ihre Tabakpflanzen zur Gänze – zu vorgegebenen Preisen – ans staatliche Tabakmonopol abliefern. Als das Werk 2004 geschlossen wurde und die Weltmarktpreise in den Keller fielen, wurde es viele Jahre still um die großen grünen Blätter in der Grünen Mark.

Versuche in Mutters Garten

Bis eben der 33-jährige Rauch die Jugend-Erinnerungen seines Vaters Günther und seiner Tante Rosi, die früher bei Anbau, Pflege und Ernte des Tabaks mitgeholfen haben, angezapft hat. „Die ersten drei Jahre haben wir in Mamas Garten je 20 Pflanzen angebaut und sofort gesehen, dass die warmen Temperaturen optimal für die Qualität des Tabaks sind.“ Der Klimawandel lässt grüßen. 2016 und 2017 hat die Winzerfamilie bereits jeweils 1000 Tabakpflanzen händisch angepflanzt, händisch gepflegt und geerntet und nach einjähriger Trocknungs- und Fermentierungs-Zeit und unzähligen Wuzel-Versuchen daraus zweimal 1000 Zigarren hergestellt. Händisch, natürlich.

Nach dem Tabak- kam der Behörden-Dschungel

Deutlich mehr Anstrengungen (und Fehlversuche) beinhaltete abseits des Pflanzendschungels aber der Behördendschungel. „Weil wir als kombinierte Tabakpflanzen- und Zigarrenproduzenten absolutes Neuland betreten, hat es ewig gedauert, bis sich überhaupt jemand für uns zuständig gefühlt hat“, berichtet Rauch auch von viel Gegenwind. „Die Antwort auf die erste Anfrage beim Finanzministerium war umgehend eine Razzia der Finanzpolizei auf unserem Betrieb.“ Und, auch nicht alltäglich: „Einige Formularvorlagen mussten wir sogar selbst entwickeln, um überhaupt einen Antrag stellen zu können.“

An drei Stellen – Zoll, Finanzministerium und die Österreichische Monopolverwaltung – liefert Rauch nun Abgaben, sie machen drei Viertel des Produktpreises aus. Dennoch: Um die ersten 2000 Stück „Rauch-Zigarren“, die der findige Haupterwerbs-Winzer unter der Marke „Ostarrichi“ verkauft, gab es unter den Trafikanten (sie sind wegen des Monopols die einzigen, die Tabakerzeugnisse verkaufen dürfen) ein derartiges G’riss, „dass sie binnen weniger Tage so gut wie ausreserviert waren“, so Rauch. Daher will der 33-Jährige im nächsten Jahr daheim in St. Peter am Ottersbach die Anbaufläche verdoppeln. „Mehr geht wegen des Arbeitsaufwands nicht.“

„Der Raucher ist nicht unser Kunde“

Bleibt noch eine Frage: In Zeiten von „Don’t-Smoke“ und Nichtraucher-Volksbegehren die Tabaktradition wiederauferstehen zu lassen, ist das nicht ein bisserl frivol? „Der Raucher ist nicht unser Kunde, sondern der Genießer zu ganz bestimmten Anlässen“, sagt Rauch, „erstens, weil eine Zigarre 30 Euro kostet und zweitens weil man sich dafür eineinhalb Stunden Zeit lassen mus