Die Zigarre schmeckt auch mit 90

Zirndorfs Altbürgermeister Virgilio Röschlein feierte im Awo-Pflegeheim Geburtstag –

ZIRNDORF – Es war ein stetes Kommen und Gehen: Zum 90. Geburtstag von Altbürgermeister Virgilio Röschlein alias „Schilli“ gaben sich in dessen Alterssitz im Awo-Seniorenpflegeheim in Zirndorf die Gratulanten die Klinke in die Hand.

Die Virginia-Zigarre, die Röschlein seit vielen Jahrzehnten raucht, durfte da nicht fehlen. Wein und Schnaps hingegen mag er nicht. „Und die Virginia“, so Röschlein schmunzelnd, „ist kein Laster.“ Schließlich mache er keine Lungenzüge. Das aber habe er keinem verraten, dem er während seiner aktiven Zeit als Bürgermeister eine Virginia anbot. Zum Beispiel den amerikanischen Kommandeuren, die ihn regelmäßig besuchten. Sie hätten meist auf Lunge geraucht und entsprechend übel sei ihnen geworden, so Röschlein.

Über die vielen Gratulanten an seinem Ehrentag freute er sich sichtlich – vor allem über seine beiden Amtsnachfolger Gert Kohl und Thomas Zwingel sowie zahlreiche Weggefährten aus den Vereinen. „Über meine Vereinsaktivität bin ich mit vielen eng verbunden“, sagt er. Diese Kontakte hätten ihm 1962 auch geholfen, die Wahl zum Bürgermeister zu gewinnen. Mittlerweile ist er in den meisten Ehrenmitglied.

Dass heute vielen der Nachwuchs fehlt, bedauert der 90-Jährige sehr. Wundern tut es ihn indes nicht. Wer im Alter von 17 Jahren schon ein Auto habe, mit dem er nach Nürnberg in die Disco fahren könne, sei an Vereinsarbeit vor Ort kaum noch interessiert, so der langjährige SPD-Politiker. „Die Zeiten sind heute andere.“

Das gelte auch für die aktuelle Politik, so Röschlein. Was auf der Bundesebene passiere, bezeichnet er als „unmenschlich“. Der Vorteil einer Kleinstadt sei, dass „die Menschen hier noch füreinander einstehen“. Nach den schlechten Umfragewerten der SPD gefragt, zögert Röschlein. Dann meint er: „Die Politik ist nicht mehr an der Bürgerschaft dran. Das wirkt sich auf die Entscheidungen aus.“

Allerdings sei das nicht nur ein Problem der SPD, sondern „aller demokratischen Parteien“. Dadurch würden Rechtspopulisten die Chance erhalten, sich zu profilieren. In diesem Zusammenhang kritisierte Röschlein zudem das schwindende Gemeinschaftsgefühl: Nur noch wenige würden sich eng miteinander verbunden fühlen.