Feiner Geschmack beim Einkauf in Jena

Kulinarischer Stadtspaziergang: So nannte die Initiative Innenstadt ihr Angebot rund um den verkaufsoffenen Sonntag in Jena.

Mit „kulinarischen“ Offerten müssen Feinschmecker nicht allein im engen Sinne des Wohlgefühls an Zunge und Gaumensegel angesprochen sein – es darf auch um die Philosophie gehen, die dahintersteckt. So war wohl der „Kulinarische Stadtspaziergang“ angelegt, mit dem der Verein Initiative Innenstadt e. V. als Beitrag zum verkaufsoffenen Sonntag einheimische Händler und Gastronomen ins Licht rückte.

Eine Station zum Beispiel – das Reformhaus der Geschwister Tonndorf. Geschäftsführer Torsten Tonndorf-Martini kredenzte zwar den heißen alkoholfreien Kräuter-Früchte-Trunk wie auch Roggenbrothäppchen mit Cashewmus oder pflanzlichem Schmalz. Er berichtete aber auch, wie das über 100 Jahre alte Familienunternehmen sein Ladengeschäft am Markt jüngst nach streng ökologischen Kriterien umgebaut hat, Wärmerückgewinnung und Solaranlage inklusive. Die Gesundkost-Händler haben das „nicht nur berufsbedingt, sondern aus Überzeugung“ gemacht, wie Torsten Tonndorf-Martini sagte.

Beispiel „Vom Fass“ in der Oberlauengasse. Pia Santo, die das Franchise-Geschäft seit 2008 führt, sprach nach dem Begrüßungstrunk das wachsende Maß Rücksicht auf die Umwelt an. Immer schon sei es die Besonderheit des Hauses, dass die flüssigen Kostbarkeiten von Likören bis zu Essig und Öl vorab probiert und dann abgefüllt werden können. Längst könnten bei ihr mitgebrachte Flaschen nachgefüllt werden, sagte Pia Santo. Da wolle sie der Zeit ein bisschen voraus sein und dem Unverpackt-Trend mit ihren Möglichkeiten folgen. Geschätzt 50 Prozent ihrer Kundschaft würden im mitgebrachten Behältnis selbst abfüllen, berichtete Pia Santo, die im April ihr Geschäft hatte umbauen lassen. Stück für Stück wolle sie weitere Aspekte der Nachhaltigkeit einfließen lassen. Bei der Verpackung müsse zum Beispiel nicht auch noch Folie eingesetzt werden.

Franziska Weiland begrüßte die Stadtspaziergänger mit Zimtschnecken und schwedischem Glühwein. Seit zwei Jahren betreibt sie mit ihrem Mann das Café „Holz und Hygge“ in der Unterlauengasse, genauer: im Erdgeschoss des neuen „Noll“-Hotels. „Hygge“ umschreibe im Dänischen das Zusammenspiel von Gemütlichkeit und Genuss im Alltag, berichtete Franziska Weiland, die mit ihrem Partner sieben Jahre in Kopenhagen gelebt hat. Seit acht Jahren betreibt das Paar einen Online-Shop. „Aber es fehlte das Erlebnis“, das nun im „Showroom“ mit seinen Möbelstücken und Accessoires samt Kaffeeduft zu haben ist. 50 Designer stünden als Partner im Hintergrund, die Hälfte aus Dänemark, berichtete Franziska Weiland.

Im Zigarren- und Spirituosen-Fachgeschäft von Erik Krull in der Oberlauengasse zündeten die Stadtspaziergänger nicht die kostbare Havanna an. Keine Zeit! Ein Gläschen Grappa tat’s auch. Krull, der das Geschäft seit März 2016 führt, berichtete: „Wir schreiben vom ersten Tag an schwarze Zahlen.“ Gute Zigarren seien etwas für „Leute, die gern genießen“, sagte Krull. Geschäfte wie das seine gebe es aber in kleineren Städten „in der Regel nicht“ und sonst nur in München, Berlin, Düsseldorf. Schnell vermag es Erik Krull, Zuhörern die Welt der Zigarren zu eröffnen. – Dass nicht Lunge geraucht, sondern gepafft werde und insofern die üblichen Warnaufdrucke irrelevant seien („wie Wein im Mund haben und wieder ausspucken“). Dass die Herstellung etwa in Kuba oder der Dominikanischen Republik eine große Handwerkskunst sei, die sich beim Ineinanderwickeln der fünf Blätter entfalte. Dass die Roller nach neun Jahren Ausbildungszeit noch längst nicht ihren Gipfel der Kunst erreicht hätten. Oder dass die guten Stücke im Humidor – dem Zigarren-Lagerbehältnis bzw. -Schrank – oder im klimatisierten Raum aufbewahrt gehören. Insofern seien Zigarren im normalen Verkaufsregal nach einigen Wochen „mausetot“, sagt Erik Krull. Wissen rund um die Zigarre vermittelt Krull bei Bedarf bei Sonder-Veranstaltungen in einer Extra-Lounge. Und Achtung: Erik Krull kommt in Fragen von Werbung und Verkauf ohne Internet-Seite aus. Das geschehe quasi „alles per Mundwerk“.