Fotografie: Joop Greypink zeigt in Düsseldorf Fotos von Kubanern mit Zigarre

Düsseldorf. Der niederländische Fotograf präsentiert in der Galerie Noir Blanche Porträts von Bewohnern der Karibik-Insel quer durch die Schichten. Die Tabakware dient als demokratisches Mittel.

Graciela arbeitete früher als Schauspielerin auf Kuba, nun kriegt die betagte Dame keine Rollen mehr. Um Geld zu verdienen, posiert sie vor Touristen-Kameras als Foto-Modell. Einen Dollar verlangt sie. Auch der niederländische Fotograf Joop Greypink nutzte das Angebot und lichtete Graciela ab. Stolz schaut sie dem Betrachter entgegen: Mit Blumenschmuck auf dem Kopf, Brille, Ketten um Hals und Arme, Bluse, Jäckchen und mit Zigarre zwischen den nicht mehr vollständigen Zähnen. Die heiße Zigarrenasche hat etliche Löchlein in ihren Rock gebrannt.

Graciela ist eine von 17 Menschen, die Joop Greypink auf Kuba mit Großbildkamera porträtiert hat und nun in der Derendorfer Galerie Noir Blanche zu sehen sind. Allesamt im Hochformat und in Schwarzweiß, vergrößert auf Hahnemühle-Papier. Die Bilder zeigte Greypink 2004 zunächst im Museo Nacional de Bellas Artes in Havanna, nun stellt sie Galerist Volker Marschall zum ersten Mal in Deutschland aus. Marschall, selbst Fotograf, kennt Greypink bereits seit 35 Jahren. Er hatte nach seinem Studium bei dem 1942 in Nijmegen geborenen und seit den 1970er Jahren in Düsseldorf lebenden Lichtbildner anderthalb Jahre assistiert.

In seinem Fotoprojekt zeigt Greypink Angehörige aus allen Gesellschaftsschichten, quer durch die Ethnien. Er spiegelt die Völkervielfalt auf der größten Karibik-Insel wider. Da ist Julian, ein älterer Mann mit langen Haaren und Vollbart, der seinen mit Tatoos übersäten Oberkörper präsentiert. Er ist Palero, ein Anhänger der Santería, einer afro-kubanischen Religion, die einst afrikanische Sklaven auf die Insel brachten. Die Gläubigen beten nicht nur einheimische Götter (Orishas), sondern auch katholische Heilige an. Und sie vollziehen spirituelle Rituale, für die neben Kräutern oder Kokosnüssen auch Zigarren verwendet werden.

Pucha präsentiert in langen schwarzen Haaren und einem floral gemusterten Kleid traditionelle indianische Handwerkskunst, etwa ein aus Bast geflochtenes Zigarren-Etui.

Aber auch bekannte Kubaner hat Greypink abgelichtet, etwa Compay Segundo, den Sänger und Gitarristen des „Buena Vista Social Club“, er zeigt sich mit Hut und Gitarre. Oder Alejandro Pereda Robaina, renommierter Tabakpflanzer, der die Castro-Familie mit Zigarren belieferte. Er hält mit einer Hand seinen Hut vor der Brust, mit der anderen vielleicht eine „Vegas Robaina“, die 1997 zu seinen Ehren eingeführt wurde.

Das Produkt, das Robaina (1919 -2010) herstellte, ist das, was alle Porträtierten vereint. Dementsprechend der Titel der Schau: „Puros“, was auf Spanisch „Zigarre“ heißt. Bis heute gelten kubanische Zigarren als das Nonplusultra unter Tabakliebhabern. Sie sind Mythos, Kult, ein Teil der nationalen Identität – und natürlich ein Wirtschaftsfaktor. Etliche Kubaner rauchen die aus Tabakblättern gerollten Genussmittel. Greypink inszeniert in seinen Porträts die Zigarre somit als demokratisches Konsumgut. „Puro“ heißt auf Spanisch aber auch „rein“. Greypink spielt bewusst mit der Doppeldeutigkeit des Wortes. Alle seine Modelle hat er bei natürlichem Tageslicht fotografiert, das Licht aber mit einem sogenannten Segel weicher gemacht. Dadurch erscheinen seine ausgewählten Kubaner vor weißem Hintergrund und damit so, wie sie sind, eben „pur“. Dazu zählt auch die Selbstinszenierung der Modelle. Den Bäcker Everildo wollte Greypink am liebsten mit mehlbestäubter Kluft und Zigarre festhalten, doch der erwies sich als zu eitel dafür. Und schmiss sich in seinen feinsten Sonntagsanzug samt Spazierstock und Fächer.

Joop Greypink ist seit gut 20 Jahren mit einer Kubanerin verheiratet, was ihm den Zugang zu den Einheimischen erleichterte. Statt eines Honorars verlangten die meisten Porträtierten ein Essen in einem Restaurant. Dazu luden sie dann aber auch gleich ihre ganzen Familien ein.

Doch nicht nur der finanzielle Aufwand war hoch, sondern auch der körperlicher Einsatz: Greypink hat die Filme immer in einem Wechselsack austauschen müssen. Heißt: Er musste bei tropischer Hitze und umringt von Mücken seine fertigen Aufnahmen mit bloßem Tastsinn von einer Planfilm-Kassette in eine Schachtel hineinmanövrieren, und die Kassette mit einem neuen Film aus einer Schachtel bestücken. In Deutschland hat er die Filme schließlich entwickeln lassen. Ein Aufwand, der sich allerdings sehr gelohnt hat.

„Puros“ bis 25. Januar bei Noir Blanche, Ratherstr. 34. Jedes Foto als Zehner-Auflage. Kleinformate (Rahmenmaß 50×70 cm) kosten inkl. Rahmen 2400 Euro, Großformate (Rahmenmaß 80×100 cm) inkl. Rahmen 3800 Euro.