Gute Zigarren sind gar nicht schwer zu finden

Was macht eigentlich gute Zigarren aus? Woran erkenne ich, dass es sich um ein Spitzenprodukt handelt? Für diejenigen, die sich diese Fragen schon einmal gestellt haben, soll hier versucht werden, eine Antwort zu geben, die sicher subjektiv, aber doch im Allgemeinen anwendbar ist.

Allgemeine Regeln

Zunächst sollte man sich überlegen, welche Kriterien an eine gute Zigarre gestellt werden. Die 1. Faustregel lautet: Longfiller sind in der Regel besser als Medium- oder Shortfiller Zigarren. Dies heißt jedoch nicht, dass eine Shortfiller Zigarre minderwertige Qualität hat, aber gemeinhin sind die Longfiller Zigarren, die aus ganzen Tabakblättern gerollt werden, feiner im Aroma und ausgeglichener im Geschmack. Das schränkt die Auswahl an guten Zigarren nicht unbedingt ein, was kann man also beim Zigarrenkauf an sich beachten? Hier drei Punkte, die darüber entscheiden, ob Sie eine gute Zigarre kaufen:

Überprüfen Sie die Konstruktion mit einem Blick auf den Fuß der Zigarre
Riechen Sie an der Zigarre, aber indirekt, bitte nicht anfassen und an den Riechkolben pressen
Erfragen Sie alles über die Zigarre, was Ihnen einfällt

Schlussendlich sind es jedoch viele verschiedene Faktoren, die für das Entstehen von guten Zigarren verantwortlich sind.

Viele Schritte bestimmen die Qualität

Es beginnt schon beim Anbau der Tabakpflanzen, geht über die manuelle Fertigung und endet bei der fachgerechten Verpackung und dem Transport und natürlich der Lagerung.

Kuba ist nicht umsonst das bekannteste tabakanbauende Land der Welt. Hier gibt es nicht nur eine jahrhundertewährende Tradition, auch die Qualität der Erzeugnisse aus dem Ur-Land der Zigarre ist als besonders hoch einzuschätzen. Dies liegt zum einen an den besonderen Anbaubedingungen, denn das Klima und die Bodenverhältnisse bieten ein hervorragendes Zusammenspiel, sodass die Tabakpflanzen, die die würzigen und aromatischen Blätter hervorbringen, ungestört gedeihen können. Aber auch Nicaragua hat sich mit seinen Böden in die Spitzenklasse der Tabakanbauländer katapultiert. Zum anderen ist das Zigarrenrollen ein Prozess, der auf ganz bestimmten, fein aufeinander abgestimmten Schritten beruht. Es gleicht schon fast einem andächtigen Zeremoniell, das in den Tabacaleras zelebriert wird.

Nach der Ernte der Blätter, die von unten nach oben geschieht, werden diese zunächst zur Trocknung gelagert. Das subtropische Klima Kubas und anderer mittelamerikanischer Staaten ist dafür am besten geeignet. Anschließend erfolgt die Fermentierung, ein Gärungsprozess, der der Balancierung des Nikotingehalts und der Ausprägung des Tabakaromas dient. Da dies in großen Tabakstapeln geschieht, die eine hohe Hitze entfalten, muss auch dieser Prozess ständig überwacht und die Stapel regelmäßig umgeschichtet werden. Nach vier bis sechs Monaten Reifezeit ist der Tabak für gute Zigarren bereit zur Rollung.

Gute Zigarren werden gerollt oder gefaltet

Kubanische Torcedores galten und gelten als die besten der Welt. Da aber nicht wenige von ihnen in der Ära Fidel Castros von hohen Restriktionen betroffen waren, zog es sie zunehmend in die Nachbarländer oder Staaten des mittel- und südamerikanischen Festlands und so trug sich ihr Wissen und Können fort, sodass heute auch dominikanische, nicaraguanische und honduranische Zigarren zu den besten der Welt zählen. Vor dem Rollprozess werden die Blätter zunächst nach Aussehen und qualitativer Beschaffenheit sortiert. Die aussortierten Blätter werden dann für Shortfiller-Zigarren, Zigarillos oder Zigaretten verwendet. Den für gut befundenen Blättern wird nun die Mittelrippe entfernt und die für die Einlage vorgesehenen Blätter werden einem zweiten Fermentierungsvorgang unterzogen.

Im Schnitt kann ein erfahrener Torcedor je nach Format 40 bis 180 Zigarren rollen. Dazu legt er zwei bis drei Umblätter auf seinen Tisch, darin werden dann die Einlagetabake gerollt bzw. kunstvoll gefaltet, mit dem Umblatt umwickelt und schließlich von einer Presse in ihre finale Form gebracht. Wichtig ist, dass bei der Fertigung Luftkanäle entstehen, durch die der Rauch zirkulieren kann. Kriterium für eine gute Zigarre ist auch die Beschaffenheit dieser Luftkanäle. Denn wird eine Zigarre zu fest gerollt, zieht sie nur sehr schwer. Ist sie hingegen zu locker gerollt, hat also einen zu leichten Zug, kommen verschiedene Probleme auf Sie zu. Einerseits verkürzt sich das Vergnügen unverhältnismäßig und zum zweiten neigt die Zigarre dann zum Überhitzen, was die Aromatik komplett zerstört. Oder der Zug ist so leicht, das fast nichts bei Ihnen ankommt. So oder so, locker gerollte Zigarren machen selten Spaß. Als letzten und für das Aroma fast wichtigsten Bestandteil wählt der Roller das Deckblatt aus. Dieses wird zunächst zurechtgeschnitten und dann fest um Umblatt und Einlage gewickelt und am Kopf der Zigarre zu einem Zöpfchen gezwirbelt oder mit der sogenannten Capa befestigt. Ob das Deckblatt nun ein Maduro, Connecticut Shade oder Arapiraca Brazil ist, hat wenig Einfluss auf die Qualität der Zigarre. Ausschlaggebend für die Gütekriterien sind der Anbau, die Verarbeitung und die Lagerung.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Bevor die Zigarren nun an die Aficionados My Father Le Bijou 1922 Petit Robusto weltweit verschickt werden können, müssen sie noch ausgefeilten Qualitätsprüfungen standhalten. Geprüft werden Länge, Durchmesser und die Formung des Kopfes, darüber hinaus eine gleichmäßige Rollung und die einheitliche Färbung der Deckblätter, denn das Auge raucht schließlich mit. Blend und Zug werden durch Rauchstichproben überprüft, ein Traumjob. Als Bestätigung der Kontrolle werden den Kisten, in denen die Zigarren geliefert werden, oft persönlich vom Kontrolleur unterschriebene Zettel beigelegt. So bleibt die Transparenz gewahrt. Nach einer nochmaligen Lagerung zwischen einigen Monaten bis zu mehreren Jahren (aging) werden die Zigarren noch ein letztes Mal von den Escogedores nach Deckblattfarben sortiert und sind dann, in Holzkisten verpackt, bereit für ihre Reise zum Konsumenten. Teilweise werden auch innerhalb einer Packung Zigarren mit unterschiedlichen Deckblattfarben angeboten. Diese sogenannten Fehlfarben werden günstiger angeboten, da sie zwar nicht als Premiumzigarre überzeugen konnten, jedoch dennoch nicht unbedingt schlechter im Geschmack sind.

Gut und günstig geht nicht? Doch!

Aber auch Premium-Zigarren müssen nicht immer teuer sein. Ein günstiger Preis ist nicht immer gleichbedeutend mit minderwertiger Qualität. Durch Bundle-Ware lässt sich oft gutes Geld sparen. Diese guten günstigen Zigarren werden aus Longfiller-Tabaken von Hand gerollt und dann in Bundles statt in Holzkisten verpackt. Somit spart man an den Materialkosten, ohne die Qualität der Zigarren zu vernachlässigen. Ein Beispiel hierfür sind die honduranischen Villa Zamorano Zigarren aus dem Hause Maya Selva oder die Perdomo Fresco Zigarren aus Nicaragua. Letztendlich sind die Kriterien, die an eine gute Zigarre gestellt werden immer sehr subjektiv. Auch wenn der eine oder andere, den Sie in Ihrer Karriere als Zigarrenraucher kennenlernen werden, Ihnen etwas anderes erzählen will. Zigarren sind geduldig.