Zigarren werden nicht geraucht, sie werden gepafft

Lorsch.„Nicht mehr wegzudenken von der Lorscher Kerwe ist das Tabakprojekt, das seit dem Jahr 2013 von etwa 20 ehrenamtlich tätigen Pflanzerinnen und Pflanzern betrieben wird“, erklärte Gabi Dewald, Leiterin des Lorscher Kulturamtes, als sie gemeinsam mit einigen Aktiven die erste Zigarre der Marke Lorsa Brasil aus dem Jahr 2017 der Öffentlichkeit vorstellte. Ihr Motto: „Rauchzeichen! Die erste Lorsa Brasil 2017 wird angezündet“.

„Douwagg“-Anbau seit 300 Jahren

„Douwagg“, wie er auf Lorscherisch heißt, wurde hier rund 300 Jahre angebaut. Die 10 000 Zigarren Lorsa Brasil, die am Ende eines Erntejahres hergestellt werden, bestehen zu 60 Prozent aus dem Sandblatt des Lorscher Tabaks der Sorte „Geudertheimer“. Das Deckblatt stamme wegen des besseren Aromas aus Brasilien, klärte Gabi Dewald auf. Sie stellte mit Annemarie Remeza, Irmgard Würsching, Jörg Trayser und Norbert Pfuhl drei Hilfskräfte vor, die mit auf die Kirchweih-Bühne gekommen waren. Sie alle erklärten, dass ihre Vorfahren sich bereits mehr oder weniger mit dem Tabakanbau beschäftigt hätten.

Norbert Pfuhl, ein Auerbacher, stellte eine Zigarre vor, die erstmals mit einem eigens gepflanzten Lorscher Deckblatt gepflanzt worden sei. Das sei würziger im Geschmack als das aus Brasilien.

Der kubanische Professor Manuel Valentin Torres Gemeil, der an der Technischen Universität Dresden lehrt, wo er auch studiert und promoviert hat, durfte die erste Lorsa Brasil aus der kleinen Schachtel nehmen. Norbert Pfuhl zündete sie ihm mit einem Streichholz an, damit er den Geschmack testen konnte. Gemeil bewertete den Geschmack als „sehr gut“. Die Zigarre „ziehe“ gut. Er gab auch gleich den Ratschlag, die Spitze der Zigarre mit der Zunge anzufeuchten, damit sie weich werde und noch besser ziehe. Das Lob des Gastes aus Havanna galt der Qualität der Zigarre und den Menschen, die sich um das Tabakprojekt kümmerten. Er habe das Tabakfeld besucht und sich gefreut, viele Lorscher kennenzulernen.

Einige Gäste der Kerwe durften dann auch die neue Zigarre rauchen und ihren Kommentar dazu abzugeben. Einen Hinweis gab Norbert Kuhn als Antwort für Menschen, die sich als Nichtraucher bezeichneten. „Zigarren werden nicht geraucht, sie werden gepafft.“ Eher scherzhaft war dagegen der antiquierte Spruch eines Besuchers: „Gegen Bier und Tabakdunst ist alle Weiberlist umsunst.“